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Die Behandlungsschwerpunkte in der Therapeutischen Wohngruppe

Die therapeutische Wohngruppe der Heckscher-Klinikum gGmbH im Kliniken des Bezirks Oberbayern-Kommunalunternehmen wurde 1984 als Modelleinrichtung gegründet.
Sie ist für Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert, die nach einem stationären oder teilstationären Aufenthalt im Heckscher-Klinikum noch einer besonderen Form der Hilfe bedürfen.

Es handelt sich um junge Menschen mit psychotischen Störungen, neurotischen Fehlentwicklungen, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatischen Erkrankungen und Störungen des Sozialverhaltens.

Ziel ist die psychische Stabilisierung der Klienten, die Entwicklung der Selbstständigkeit und die Erweiterung ihrer sozialen Kompetenzen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Unterstützung bei der schulischen oder beruflichen Integration.

Aufgenommen werden vorrangig Patienten des Heckscher-Klinikums. Es ist jedoch auch eine Aufnahme ohne vorherigen Klinikaufenthalt möglich.
Geleitet wird die Wohngruppe von einem Sozialpädagogen im Einvernehmen mit der Klinikleitung.

Die medizinisch-psychiatrische Betreuung wird durch einen Facharzt des Klinikums geleistet und neben den Fachdiensten des Klinikums steht auch die Carl-August-Heckscher-Schule zur Verfügung.

Die Räumlichkeiten

befinden sind in einem frei stehenden Haus mit großem Garten in einem ruhigen Schwabinger Wohnviertel. Das Haus wurde vom Bezirk Oberbayern aus privater Hand erworben, für seine jetzige Bestimmung umgebaut und zuletzt 2004 einer Grundsanierung unterzogen.

Da zwei Privatgrundstücke direkt angrenzen, ist der gute Umgang mit den Nachbarn ein wichtiger Inhalt des Wohngruppenalltags. Erfreulicherweise konnte sich über die Jahre ein herzliches Verhältnis zu den Anwohnern entwickeln.

Das Haus bietet Platz für 10 Bewohner mit vier Doppelzimmern, einem Einzelzimmer und einem Appartement mit eigener Küche und Bad im 2. Stock.

Drei Gemeinschaftsräume, ein Musikstudio, eine Werkstatt, Therapie- und Besprechungsräume ergänzen das räumliche Angebot. Eine großzügig ausgestattete Küche und Wirtschaftsräume ermöglichen die eigenständige Bewirtschaftung des Hauses.

Das Aufnahmeverfahren

setzt die weitgehende Freiwilligkeit der Bewerber und die Bereitschaft zur Teilnahme an unserem Aufnahmeverfahren voraus.

Aufgenommen werden Jugendliche und junge Erwachsene beiderlei Geschlechts zwischen 16 und 18 Jahren. Die psychische Erkrankung muss soweit abgeklungen sein, dass die Behandlungsstruktur und die Lebensweise in der Wohngruppe für sie keine Überforderung darstellen und auch die schulische oder berufliche Perspektive mittelfristig geplant werden kann.

Nicht aufgenommen werden Klienten mit

  • akuter Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • Delinquenz und Gewaltbereitschaft
  • akuter Suizidgefährdung

Die im Laufe der Jahre gemachten Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig es ist, den Prozess des Aufnahmeverfahrens transparent und sorgfältig zu gestalten, da sich hier die Motivationsstärke des Bewerbers erweist.

Das Aufnahmeverfahren gestaltet sich in folgenden Schritten:

  • ein unverbindliches Informationsgespräch mit oder ohne Eltern
  • ein offizielles Vorstellungsgespräch mit dem Team der WG und verlegendem Sozialdienst und/oder Vertretern des Jugendamtes (ohne Eltern)
  • ein ca. einwöchiges Probewohnen
  • ein Gespräch mit Eltern oder Sorgeberechtigten zur Unterzeichnung der notwendigen Einverständniserklärungen
  • schriftliche Einverständniserklärung der Bewerber zur Aufnahmevereinbarung (Hausregeln, individuelle Therapieverträge)

Generell kann die Aufnahme erst erfolgen, wenn eine schriftliche Kostenzusage des Kostenträgers vorliegt. Diese beantragt der Sozialdienst der verlegenden Einrichtung zusammen mit den Sorgeberechtigten.

Die Sozialdienste sind auch für die Koordination des Aufnahmeverfahrens zwischen dem Jugendamt, der verlegenden Institution und der Wohngruppe zuständig.

Das Team

der Wohngruppe (vier Frauen und drei Männer) arbeitet seit vielen Jahren zusammen und hat durch eine geringe Fluktuation der Mitarbeiter eine hohe Kohärenz erreicht.

Die Wohngruppe ist personell durchgängig besetzt, nachts ist jeweils ein Mitarbeiter in Bereitschaft im Haus. Dadurch ist die kontinuierliche Betreuung durch vertraute und informierte Mitarbeiter gewährleistet, besonders wichtig auch in Krisenzeiten.

Neben den täglichen Übergabebesprechungen findet einmal pro Woche eine Teambesprechung statt. Hier ist Raum für regelmäßige, ausführliche Fallbesprechungen, die Vorstellungsgespräche und den intensiven Austausch mit dem Facharzt.

An den zweimal jährlich stattfindenden Teamwochenenden finden die Auswertungen der obligatorischen Literaturstudien, die Überprüfung des organisatorisch-konzeptionellen Rahmens und Fallbesprechungen mit besonderem fachlichem Schwerpunkt statt.

Regelmäßig nimmt das ganze Team an einer Supervision bei einem niedergelassenen Supervisor und Psychotherapeuten teil.

Auf die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungen wird großen Wert gelegt. Familientherapie, Gesprächstherapie und körperorientierte Verfahren wurden u. a. bereits als Fähigkeiten im Team verankert.

Das Behandlungskonzept

hat die psychische Rehabilitation der Klienten und die Hilfe zur Entwicklung der größtmöglichen Selbständigkeit, auch und gerade bei Weiterbestehen einer Restsymptomatik, zum Ziel.

Je nach Einzelfall bedeutet dies die Rückführung in die Herkunftsfamilie, die Vermittlung in eine adäquate weiterführende Betreuung oder auch die Hinführung zu einem gänzlich eigenständigen Leben.

Diese Ziele sollen erreicht werden durch sozial- und heilpädagogische, erzieherische, therapeutische und psychiatrische Angebote in der Wohngruppe und durch die Zusammenarbeit mit den Fachdiensten des Heckscher-Klinikums und der dortigen Schule.

Auch nimmt die durch unseren Facharzt begleitete medikamentöse Behandlung einen wichtigen Platz im Gesamtkonzept ein.
Durch die Anbindung an das Heckscher-Klinikum können stationäre Kriseninterventionen in enger Abstimmung stattfinden und in der Regel kann für eine Übergangszeit eine Kontinuität der klinisch-therapeutischen Behandlung gewährleistet werden.

Gleichwohl unterstützen wir die Entwicklung der Patienten, sich niedergelassene Therapeuten zu suchen und sich damit auch aus dem klinischen Kontext heraus zu verselbstständigen. Meist ist eine länger währende therapeutische Begleitung über den Aufenthalt in der Wohngruppe hinaus auch angezeigt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Begleitung bei der Suche nach einer schulischen oder beruflichen Perspektive und die Förderung der dafür notwendigen Fähigkeiten.

Eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, den Anbietern von berufsfördernden Maßnahmen sowie mit unterschiedlichsten Schulen und Betrieben hat sich über die Jahre als sehr erfolgreich erwiesen.

Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit der Carl-August-Heckscher-Schule. Hier bietet sich für viele Jugendliche die oft letzte Chance, sich in kleinen Klassen und mit besonderer Förderung, schulisch wieder zu stabilisieren. Auch besteht die Möglichkeit, den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule zu erreichen.

Für jeden Jugendlichen wird ein Behandlungsplan erstellt, der auch die ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfen sowie die mit den Jugendämtern zusammen entwickelten Hilfepläne mit einschließt.

Wichtige Inhalte jedes Behandlungsplanes sind:

  • die Fortführung der in der Klinik begonnenen psychiatrisch-therapeutischen Behandlung
  • Förderung der Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung und dem selbstverantwortlichen Umgang mit Medikamenten
  • das Finden des individuell sinnvollsten Therapiekonzeptes
  • die Vermittlung von lebenspraktischen Fähigkeiten
  • die Förderung von Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit
  • das Finden einer adäquaten Schul- und/oder Ausbildungsperspektive
  • die Entwicklung von sozialen Kompetenzen besonders im Hinblick auf Gruppenfähigkeit
  • die Hinführung zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten
  • Anregungen zur sinnvollen Freizeitgestaltung und dem Entdecken eigener Interessen
  • die Auseinandersetzung mit der Herkunftsfamilie

Die drei wesentlichen Säulen, um diese Ziele zu erreichen sind, neben der pharmakologischen und psychiatrischen Begleitung, die Bezugsbetreuung, die Familienarbeit und die Gruppenpädagogik.

 

Bezugbetreuung

Für die Einzelbetreuung werden für jeden Jugendlichen eine Bezugsperson und deren feste Vertretung ausgewählt. Dadurch wird neben der sonstigen Betreuung eine übergeordnete Struktur geschaffen, die eine kontinuierliche und intensive Behandlungsqualität sicherstellt.

Die jeweilige Bezugsperson gestaltet die Betreuung verantwortlich nach folgenden Inhalten und Kriterien:

  • mindestens ein ausführliches Einzelgespräch pro Woche
  • tägliche Orientierungsgespräche
  • Kontakt mit Schule, Arbeitgeber, Therapeuten und Kostenträgern
  • Teilnahme an allen Familiengesprächen
  • Begleitung bei der Durchführung individueller Behandlungskonzepte innerhalb und außerhalb der Einrichtung
  • Verwaltung der klientenbezogenen Finanzmittel
  • Weitergabe aller relevanten Informationen über den Jugendlichen an das Team
  • Falldarstellungen für Supervision und Teamtage
  • schriftliche Dokumentation
  • Teilnahme und Organisation von Hilfeplangesprächen
  • Begleitung beim Auszug des Jugendlichen
  • Nachbetreuung bei Bedarf

Familienarbeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Behandlung ist die Arbeit mit den Familien der Jugendlichen. Sie beinhaltet das gesamte Spektrum vom situativen Austausch über Krisengespräche bis hin zu den regelmäßigen, verbindlichen Familiengesprächen.

Inhaltlich wird sie von dem Familientherapeuten und Leiter der Einrichtung zusammen mit den jeweiligen Bezugspersonen gestaltet und umfasst folgende Aufgaben und Bereiche:

  • die Erläuterung unseres therapeutisch-pädagogischen Konzeptes
  • die Vermittlung und Abklärung der Behandlungsziele für und mit den Jugendlichen
  • dem Erstellen eines Kontraktes mit möglichst allen relevanten Familienmitgliedern (auch Geschwistern, Großeltern etc.) über die Inhalte und Ziele der Familienarbeit
  • regelmäßige zielgerichtete Familiengespräche auf dieser Basis
  • das zeitlich begrenzte Angebot der Nachbetreuung, wenn die Jugendlichen in die Familie zurückkehren
  • die Dokumentation der Gespräche für die Klientenakte

Flankierend gibt es das Angebot einer monatlich stattfindenden offenen Elterngruppe, die bewusst außerhalb der Wohngruppe, in den Räumen des Heckscher-Klinikums stattfindet. Sie wird von zwei Mitarbeitern der Einrichtung moderiert und bietet den Eltern die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und neue Handlungsalternativen zu entwickeln.

Ähnlich großes Interesse wie die Elterngruppe finden auch die Einladungen zu Sommerfesten oder sonstigen informellen Treffen, wo vor allem auch die Geschwister die Gelegenheit finden, sich zwanglos untereinander zu begegnen und auszutauschen.

Gruppenpädagogik

Die Gruppenpädagogik umfasst folgende Schwerpunkte:

  • die gemeinsame Bewirtschaftung, Instand- und Sauberhaltung des Hauses
  • die Planung und Durchführung regelmäßiger Gruppenunternehmungen
  • erlebnispädagogische Maßnahmen über das Jahr verteilt
  • themenzentrierte, fortlaufende Kleingruppen
  • Projekttage mit besonderen Schwerpunkten (Selbstwahrnehmung, Identität, soziale Kompetenz etc.)
  • monatliche Gruppenwochenenden und -tage mit freizeitpädagogischen und gruppenbildenden Inhalten
  • Hilfen bei der Gestaltung des täglichen Zusammenlebens, besonders im Hinblick auf Konfliktbewältigung

Koordiniert und reflektiert werden diese Themenfelder in wöchentlich zwei verbindlichen, ausführlichen Gruppengesprächen, an einem davon nehmen auch alle Mitarbeiter teil.

In diesen genau strukturierten Gesprächen, die auch dokumentiert werden, geht es um das Zusammenführen von organisatorischen und gruppendynamischen Aspekten und die Förderung von sozialer Kompetenz und Eigenständigkeit.

Hervorzuheben sind in diesem Kontext auch musikpädagogische Angebote (einzeln und in der Gruppe) die zu verbindlichen Terminen im Haus angeboten werden

Dachappartement

Für Jugendliche und junge Erwachsene, die nach dem Wohngruppenaufenthalt in die völlige Selbstständigkeit oder eine nichtstationäre Betreuungsform entlassen werden sollen, hat sich die Nutzung unseres "Appartementkonzeptes" sehr bewährt.

Hier kann ein Bewohner in zeitlich befristetem Rahmen (ca. ein halbes Jahr) in einem stufenweisen Übergang auf ein selbstständiges Leben herangeführt werden.

Unter Beibehaltung des sonstigen Betreuungskonzeptes (Einzelgespräche, Familiengespräche, Kontakt mit Schule oder Ausbildungsstätte etc.) wird er Schritt für Schritt aus der Gruppe mit ihren Aufgaben und Regeln herausgeführt und kann seine Eigenständigkeit im Appartement mit eigener Küche / Bad zunehmend weiter entwickeln.

Nachbetreuung

Für Jugendliche, die in die Familie zurückgeführt werden, bieten wir über den Zeitraum von etwa einem halben Jahr die Möglichkeit zur Nachbetreuung an.

Diese erstreckt sich auf Einzelgespräche zwischen dem Jugendlichen und seinem gewohnten Bezugsbetreuer und auf Familiengespräche nach Bedarf.

Die Finanzierung

Kostenträger ist in der Regel die Jugendhilfe unter Zugrundelegung der §  27 i. V. mit §§  34, 35a, 41 SGB VIII. Der Tagessatz der Therapeutischen Wohngruppe beträgt laut der Entgeltvereinbarung mit der Entgeltkommission München 203,45 € (Stand 2016).

 

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