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Die Störung und ihre Folgen

 

Bei den Tic-Störungen (französisch tic = Zucken der Glieder) unterscheidet man motorische und vokale bzw. phonetische Erscheinungsbilder. Beide Arten können in einfacher oder komplexer Form auftreten. Beispiele für einfache motorische Tics sind unwillkürliche, rasch einschießende Bewegungen wie z. B. Augenzwinkern, Kopfschütteln oder Schulterzucken, für komplexe motorische Tics etwa Aufstampfen, Hüpfen oder Klatschen. Gerade komplexe Tics können wie beabsichtige Bewegungen wirken. Einfache vokale bzw. phonetische Tics sind plötzlich ausgestoßene Geräusche wir Räuspern, Hüsteln, Quieken oder Schreie. Unter komplexen vokalen Tics versteht man z. B. das unwillentliche Nachsprechen von Sätzen anderer oder das Ausrufen von obszönen Worten oder sozial inakzeptable Redewendungen. Im Gegensatz zum vergleichsweise seltenen Tourette-Syndrom sind im Kindesalter in Erscheinung tretende, meist einfache motorische Tics (z. B. Blinzeltic) ein relativ verbreitetes Phänomen. Ca. 10 % aller Grundschulkinder sind betroffen, Buben viermal häufiger als Mädchen. Bei ihnen ist die Tic-Symptomatik nur gering ausgeprägt, nicht beeinträchtigend und meist vorübergehender Natur. Sie dauert einige Wochen bis maximal ein Jahr. Vorübergehende Tic-Störungen müssen in aller Regel nicht behandelt werden. Unter Tourette-Syndrom, benannt nach dem französischen Arzt Gilles de la Tourette (1857 – 1904), versteht man das kombinierte Auftreten von mehreren motorischen und einem oder mehreren vokalen Tics. Es neigt zur Chronifizierung.

Ein betroffener Jugendlicher mit Tourette-Syndrom …

 zeigt mehrere motorische Tics und mindestens einen vokalen Tic. Diese müssen nicht notwendiger zur gleichen Zeit vorhanden sein.

  •         zeigt seine Tic-Symptomatik, die oft anfallsmäßig in Serien auftritt, mindestens über ein Jahr
  •         kann seine Tics oft für einen begrenzten Zeitraum unterdrücken, bei-spielsweise in der Schule, während diese dann wieder stärker auftreten, sobald er zu Hause ist.
  •         wird wegen seiner Symptomatik nicht selten sozial isoliert und kann unter einem hohen Leidensdruck stehen
  •         zeigt mitunter eine stark schwankende Symptomatik, die sich in be-lastenden Situationen verstärken kann
  •          leidet nicht selten an weiteren psychischen Störungen

 

Mögliche Ursachen

 

·         Man geht von einer hohen genetischen Disposition aus; oft finden sich in der Familienanamnese Hinweise auf Tic-Störungen

·         Fehlfunktionen bestimmter Neurotransmittersysteme bei der Regulierung von Hemmungs-Enthemmungs-Abläufen in speziellen Hirnregionen können eine Rolle spielen

·         Nichtgenetische Risikofaktoren wie Nikotinkonsum in der Schwanger-schaft, Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburtlichkeit, Sauer-stoffmangel bei der Geburt werden diskutiert

·         In seltenen Fällen können durch Streptokokken hervorgerufene Infektions-krankheiten eine Tic-Störung auslösen.

 

In der Therapie …

·         … gilt die umfassende Aufklärung des gesamten Umfelds des Kindes bzw. Jugendlichen als wesentlicher Therapiebaustein, um den Betroffenen vor Hänseleien, Unverständnis und eventuell sogar Bestrafung zu schützen; dazu gehören nicht nur die Aufklärung der Familie und Bezugspersonen, sondern auch Gespräche mit Lehrern und Mitschülern.

·         …ist in Abhängigkeit vom Schweregrad der Tics und möglicherweise bestehender psychischer Begleitstörungen (ADHS, Depression, Angst- und Zwangsstörung) eine psychiatrisch-psychotherapeutische Betreuung im ambulanten oder stationären Setting angezeigt.

·         …werden Entspannungstechniken eingeübt.

·         …können mit speziellen verhaltenstherapeutischen Techniken Tics reduziert werden. Dabei geht es um das Erlernen von Selbstwahrnehmungsstrategien, mit deren Hilfe Auslösesituationen besser erkannt und bewusste Gegenbewegungen ausgeführt werden können (Habit Reversal-Therapie).

·         …werden mitunter auch Psychopharmaka verordnet.

 

Chancen

 

Einfache Tic-Störungen im Kindesalter haben meist eine gute Prognose. Manchmal können sie jedoch in ein Tourette-Syndrom übergehen. Dieses kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, betroffene Patienten sind in ihrem Alltag phasenweise erheblich beeinträchtigt. Für das Tourette-Syndrom stehen eine Reihe wirksamer Therapiemethoden und Bewältigungsstrategien zur Verfügung. Obwohl es sich um eine chronische Erkrankung handelt, verliert die Symptomatik im Lauf des Erwachsenwerdens oft an Heftigkeit und hindert viele betroffene Patienten nicht an einer positiven Lebensgestaltung.

 

 

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