Konzern    Übersicht    Drucken    Schriftgröße
Suche

Sie sind hier  Störungsbilder  Zwangsstörungen

Die Störung und ihre Folgen

Kinder und Jugendliche mit einer Zwangsstörung leiden unter einem inneren Drang, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Hauptsymptome sind daher Zwangsgedanken, z. B. quälende Vorahnungen oder zwanghafte Grübeleien, und Zwangshandlungen. Zwangshandlungen beziehen sich häufig auf Reinlichkeit (z. B. Händewaschen, Duschen), Ordnung und Kontrolle. Die Zwangshandlungen werden zum Ritual, zu symbolischen Versuchen, eine subjektiv erlebte Gefahr (häufig resultierend aus Zwangsgedanken) abzuwenden. Da die Ausführung täglich und oft stundenlang stattfindet und den Alltag bei fortschreitender Symptomatik dominiert, entsteht für das betroffene Kind und dessen Umwelt ein erheblicher Leidensdruck. 

Ein betroffener Jugendlicher ...

  • ... leidet unter Zwangsgedanken, das heißt unter wiederkehrenden und anhaltenden Gedanken, Impulsen, die subjektiv als unangenehm empfunden werden und Angst und Unbehagen hervorrufen; oft wird versucht, die Zwangsgedanken mit anderen Gedanken oder Handlungen zu neutralisieren.
  • ... führt Zwangshandlungen aus, das heißt sich wiederholende Verhaltensweisen wie Waschen, Ordnen oder Kontrollieren, zu denen sich der Jugendliche gezwungen fühlt; die Zwangshandlungen dienen dazu, Angst oder Unwohlsein zu verhindern oder zu reduzieren.
  • ... bezieht gelegentlich seine Familie in seine Zwänge ein, es kommt z. B. zu häufigen Rückversicherungen bei den Eltern, manchmal wird vom Patienten gefordert, dass die Eltern stellvertretend oder begleitend Zwangshandlungen durchführen.
  • ... leidet unter erheblichen psychosozialen Einschränkungen, ist z. B. nicht fähig, die Schule zu besuchen.
  • ... zeigt häufig weitere psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, Angst oder oppositionell-aufsässiges Verhalten.

 Mögliche Ursachen

  • Bisher existiert kein einheitliches Erklärungsmodell für die Entstehung von Zwangsstörung
  • Ursächlich werden neben genetischen Faktoren und neurobiologischen Veränderungen auch negative Lernprozesse diskutiert
  • Emotionale Anspannung und Konflikte können die Symptomatik verstärken

 

 

 

Therapie und Chancen

In der Therapie ...

  • ... werden Betroffene und ihre Eltern ausführlich über die Störung aufgeklärt
  • ...werden im Einzelkontakt und in familienzentrierten Interventionen der bisherigen Umgang mit der Zwangssymptomatik reflektiert, ein Behandlungsplan aufgestellt und möglicherweise innerfamiliär bestehende Konflikte bearbeitet
  • ... werden im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie Techniken zur Verhinderung von Zwangsritualen erlernt, z. B. mit der Methode der Reizexposition, d. h., der Patient sucht gemeinsam mit seinem Therapeuten eine zwangsauslösende Situation auf und lernt, diese Situation ohne die Ausführung von Zwängen auszuhalten und zu meistern.
  • ... werden bei schweren Störungsbildern unterstützend Psychopharmaka verordnet, die nicht nur einen positiven Effekt auf die Zwangssymptomatik haben, sondern auch Begleitsymptome wie Depressivität, Angst- oder Panikstörungen günstig beeinflussen können

 

Chancen

Die Krankheit entsteht und verläuft sehr unterschiedlich. Für Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter existieren nur wenige längerfristige Verlaufsstudien. Durch die Therapie (in schwerwiegenden Fällen stationär) gelingt es häufig, Zwänge deutlich zu reduzieren und Entlastung für das betroffene Kind und dessen Familie zu erreichen. Chronische Verlaufsformen haben eine schlechtere Prognose als Zwangsstörungen mit gebesserten Intervallen. Im Jugendalter an einer Zwangsstörung erkrankte Patienten scheinen öfter dazu zu neigen, später auch andere psychische Störungen zu entwickeln. Es gibt aber auch eine Reihe von Patienten, die unter Therapie mit der Zeit einer Zwangsstörung überwinden beziehungsweise nur noch unter Restsymptomen leiden.  

Flyer

 

 

Startseite